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Maschinenbau-Recruiting in Baden-Württemberg: warum der Zerspaner deine Anzeige nie sieht

Im dichtesten Maschinenbau-Markt Europas hat jeder Facharbeiter Alternativen im Umkreis von dreißig Kilometern. Was daraus für die Personalgewinnung folgt.

Ein Fertigungsbetrieb im Landkreis Göppingen sucht seit acht Monaten einen Zerspanungsmechaniker für die Nachtschicht. Anzeige auf zwei Portalen, Aushang am Werkstor, Prämie für Mitarbeiterempfehlungen. Die wenigen Bewerbungen kommen von Leuten, die entweder keine CNC-Erfahrung haben oder in vier Wochen wieder weg sind.

Der Betrieb macht nichts falsch. Er macht nur etwas, das in diesem Markt nicht mehr greift.

Die Ausgangslage ist strukturell, nicht handwerklich

Baden-Württemberg hat die höchste Industriedichte Deutschlands. Zwischen Stuttgart, dem Filstal, dem Neckarraum und der Alb sitzen Maschinenbauer, Zulieferer und Metallverarbeiter in einer Dichte, die es sonst nirgends gibt. Für den Arbeitsmarkt heißt das etwas sehr Konkretes: Jeder Facharbeiter mit abgeschlossener Ausbildung hat im Umkreis von dreißig Kilometern mehrere Arbeitgeber zur Auswahl, ohne den Wohnort zu wechseln.

Daraus folgen drei Dinge, die jede Recruiting-Maßnahme in dieser Branche prägen.

Erstens ist der Kandidat nie arbeitslos. Wer sucht, hat einen Job. Er sucht auch nicht wirklich, sondern er wäre offen, wenn ihm etwas Passendes begegnet.

Zweitens gewinnt der tarifgebundene Betrieb den Gehaltsvergleich fast immer. Ein Mittelständler mit vierzig Leuten kann bei den Zahlen selten mithalten und sollte es auch nicht versuchen.

Drittens läuft der Wechsel überwiegend über Kollegen. Der erste Kanal in diesem Markt ist nicht Google, sondern der Nachbar in der Umkleide.

Warum die Anzeige den Falschen erreicht

Ein Stellenportal ist ein Suchindex. Es erreicht Menschen, die aktiv nach einer Stelle suchen. In der Metall- und Elektroindustrie ist das ein kleiner Teil der relevanten Zielgruppe, und es ist selten der Teil, den du haben willst. Wer gerade aktiv sucht, hat entweder gerade gekündigt oder wurde gekündigt. Beides ist erklärbar und beides ist häufiger ein Warnsignal als ein Vorteil.

Der Kreis, den du erreichen willst, sitzt zufrieden genug im Job, um nicht zu suchen, und unzufrieden genug, um hinzuschauen. Dieser Kreis öffnet kein Jobportal. Er ist abends auf dem Sofa im Feed.

Was die Wechselentscheidung tatsächlich auslöst

Wenn man Facharbeiter nach dem Grund für ihren letzten Wechsel fragt, kommt das Gehalt selten an erster Stelle. Was regelmäßig kommt, sind vier andere Punkte.

Der Arbeitsweg. Vierzig Minuten pro Richtung sind zweihundert Stunden im Jahr. Wer im Filstal wohnt und in Stuttgart arbeitet, rechnet das irgendwann aus.

Das Schichtmodell. Ob ein Betrieb rotierend, in festen Schichten oder mit Wunschregelung plant, entscheidet über das Familienleben und ist damit wichtiger als zweihundert Euro brutto.

Die Arbeit selbst. Ein Zerspaner, der acht Stunden dasselbe Teil aus der Maschine nimmt, langweilt sich. Einer, der Einzelteile und kleine Serien fährt, rüstet ständig um und braucht seinen Kopf. Beides hat seine Leute, und beide erkennt man an der Beschreibung sofort.

Der Vorgesetzte. Der häufigste ungenannte Kündigungsgrund. Umgekehrt ist ein Meister, der im Video sichtbar wird und nach jemandem klingt, mit dem man reden kann, ein echtes Argument.

Keiner dieser vier Punkte lässt sich in einer Stellenanzeige glaubhaft behaupten. Alle vier lassen sich in neunzig Sekunden Video zeigen.

Was im Maschinenbau vor der Kamera funktioniert

Fachlichkeit schlägt Emotion. Der wirksamste Clip, den wir für einen Fertigungsbetrieb drehen, zeigt die Maschine, das Bauteil und die Toleranz, in der gearbeitet wird. Wer den Beruf gelernt hat, bleibt bei so etwas stehen. Wer ihn nicht gelernt hat, scrollt weiter, und genau das ist erwünscht: Der Filter arbeitet vor der Bewerbung, nicht danach.

Was in dieser Branche zuverlässig scheitert, sind Benefit-Karussells. Obstkorb, Wasserspender, Teamevents. Ein Facharbeiter liest das als Zeichen, dass es über die Arbeit selbst nichts zu erzählen gibt.

Genauso wenig funktioniert der aufgeräumte Betrieb. Wenn für den Dreh die Halle leergeräumt und der Boden gewischt wird, sieht das Ergebnis aus wie jedes Stockvideo. Wir drehen im laufenden Betrieb, mit Spänen auf dem Boden und Lärm im Hintergrund, und nehmen den Ton für Interviews separat auf.

Der Radius ist wichtiger als das Budget

Die häufigste Fehleinstellung in gewerblichen Kampagnen ist ein zu großer Radius. Die Wechselbereitschaft fällt mit jedem zusätzlichen Kilometer Arbeitsweg spürbar, und bei Schichtbetrieb noch schneller. Fünfzig Kilometer Radius bedeuten in der Praxis, dass ein großer Teil des Budgets Menschen erreicht, die nie zu dir fahren würden.

Wir starten bei gewerblichen Stellen mit zehn bis zwanzig Kilometern und ziehen erst auf, wenn der Kreis zu klein wird. Bei Ingenieurs- und Konstruktionsstellen ist es umgekehrt: Dieser Kreis denkt ohnehin überregional, dort ist LinkedIn ein sinnvoller zweiter Kanal.

Ein Sonderfall sind Pendlerachsen. Wer entlang der B10 im Filstal oder entlang der A8 zwischen Stuttgart und Ulm aussteuert, erreicht Menschen, die täglich Zeit verlieren, und für die ist der kürzere Weg das stärkste Argument, das du hast.

Was das kostet und was es spart

Die Rechnung, die in diesem Markt zählt, geht nicht über das Agenturhonorar, sondern über die Vakanz. Eine unbesetzte Stelle kostet den Betrieb ungefähr so viel, wie sie besetzt kosten würde: Die Wertschöpfung fehlt, das Gehalt wird gespart, und die Differenz ist der Schaden. Dazu kommen Überstunden im Team und verschobene Aufträge.

Wer das für die eigene Stelle durchrechnen will, findet dafür unseren Vakanzkosten-Rechner. Die Zahl, die dabei herauskommt, ist meistens der Punkt, an dem die Diskussion über Recruiting-Budgets endet.

Zum Vergleich: Ein Personalvermittler nimmt üblicherweise 25 bis 33 Prozent des Jahresgehalts, pro besetzter Stelle.

Häufige Fragen

Funktioniert das auch für sehr spezielle Profile?

Je enger das Profil, desto kleiner der erreichbare Kreis und desto wichtiger die Fachlichkeit im Video. Ein Inbetriebnehmer mit Reisebereitschaft ist schwerer zu finden als ein Industriemechaniker. Der Kanal wird dadurch nicht schlechter, die Laufzeit wird länger.

Bekommen wir dann nicht lauter unpassende Bewerbungen?

Weniger, als man erwartet, wenn die Vorqualifizierung sitzt. Drei bis fünf fachliche Fragen vor der Terminbuchung sortieren einen großen Teil aus. Ganz ohne unpassende Bewerbungen geht es nicht, das behauptet auch niemand seriös.

Wie lange dauert es bis zur ersten Bewerbung?

Von der Planung bis zur laufenden Kampagne sind es drei bis sechs Wochen, Drehtag inklusive. Die ersten Bewerbungen kommen danach meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.

Nächster Schritt

Wenn du eine Stelle im Maschinenbau besetzen willst und die bisherigen Wege nicht liefern, schau dir die Branchenseite Maschinenbau an. Dort steht im Detail, welche Stellen wir besetzen und was in diesem Umfeld vor der Kamera funktioniert.

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Geschrieben von Eliya be Malke · Founder Malko Media

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